Die Krähe
Gedicht von Günter Harnisch
Immer wenn drüben bei Gericht
gerade mal Verhandlungspause ist
kommt Martha
die Nebelkrähe
auf einen Schnack
bei mir vorbei
Wir sitzen dann auf dem Balkon
Mal trinkt sie einen Schluck Wasser
isst einen Happen
in ihrer flatterigen schwarzen Robe
nicht von Erfolg verwöhnt sieht die aus
es fehlt ihr an Chic
Doch Martha weiß Bescheid
kann zuhören wie sonst niemand
Wenn ich ihr von Richtern erzähle
die Tiere für tote Gegenstände
ohne Rechte halten
schimpft sie und schüttelt nur den Kopf
Dass eine Richterin in Südamerika
Tieren Menschenrechte zuerkennt
glaubt sie mir nicht
Sie denkt
der spinnt mal wieder
und fliegt weg
Nein, ich spinne nicht
Irgendwann
wird die Krähe es kapieren
und die Botschaft weitersagen
Ihresgleichen und die Tiere alle werden
Rechte wie die Menschen haben